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Übersicht der Standarddiagnostik:

  1. Anamneseerhebung

  2. Miktionsprotokoll

  3. Paraklinik

  4. Ultraschall des oberen und unteren Harntraktes

  5. Stresstest (Belastungstest; Hustentest)

  6. Uroflow mit sonographischer Restharnbestimmung

  7. Zystoskopie mit Bougie á boule und vaginaler Einstellung

  8. MCU

  9. Flowzytometrie mit Urethradruckprofil

  

Behandlungsmöglichkeiten der Urge- (Drang-) Inkontinenz

Die Behandlung des ständigen Dranges zum Wasserlassen ist durch eine komplexe Therapiestrategie gekennzeichnet. Sie beinhaltet sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten. Zu der konservativen Behandlung gehören die Verhaltenstherapie (Miktionsprotokoll, Miktionstraining, Toilettentraining, Beckenbodentraining, Psychotherapie), die Pharmakotherapie (Anticholinergika {Medikamente mit dämpfender Wirkung auf den Blasenmuskel – Detrusor}, trizyclische Antidepressiva, myotrope Spasmolytika, Östrogene, Alphablocker, Antispastika). Weiterhin zählt dazu der Einsatz von Vorlagen und/oder speziellen Urinableitsystemen.

Bei der fehlenden oder nicht befriedigenden Besserung der Drang-Inkontinenz kommen auch operative Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz. Hierfür stehen zwei weitere Therapiemöglichkeiten zur Wahl:

  1. Botulinum-Toxin A - Injektion

  2. Neuromodulation

  

Botulinum-Toxin A:
Das Botulinum-Toxin A ist den meisten Patienten im Zusammenhang mit der Schönheitschirurgie (Plastische Chirurgie) bekannt. Aber auch in der Urologie wird dieses Medikament seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Bei der Behandlung der Dranginkontinenz wird das Medikament verdünnt bei einer Blasenspiegelung über eine dünne flexible Nadel in den Blasenmuskel injiziert. Das Medikament hemmt die Freisetzung eines Überträgerstoffes (Acetylcholin) am Übergang vom Nerv zum Blasen-muskel. Nun wird ein überaktiver Blasenmuskel „ruhig gestellt“, da er auf die nervale Reizung nicht mehr reagieren kann. Der Erfolg dieser Behandlung tritt in der Regel zwischen ein bis drei Wochen auf. Diese Behandlungsform führt bei vielen Patienten zu einer deutlichen Besserung ihrer Beschwer-den. Die Operation ist sicher und der Eingriff kann nach Nachlassen der Wirkung frühestens nach ca. 6 – 9 Monaten ohne Probleme wiederholt werden.

 

Termine bitte nur nach Absprache mit Dr. Polanski vereinbaren.

 

Neuromodulation:
Durch eine Stimulation der afferenten Fasern des Nervus pudendus (elektrische Neuromodulation) kann eine Verbesserung der Drang-Inkontinenz erreicht werden. Bei dieser Therapieform stimuliert man die Nervenfasern, die die Blase und den Schließmuskel versorgen, mit Strom. Dazu müssen dünne Kabel an die Nerven im Bereich des Steißbeins (Rücken) implantiert werden. Durch sanfte, nicht schmerzhafte elektrische Stromstösse werden anschließend die Nerven, die auf die Blasenmuskulatur /-funktion wirken, stimuliert. Durch dieses Verfahren ist eine Normalisierung einer zuvor fehlgesteuerten Blasenfunktion möglich. Vor einer dauerhaften Implantation des Systems muss zunächst eine Testphase über ca. 7 Tage ("PNE-Test") erfolgen. In dieser Zeit wird untersucht, ob der Patient für diese Therapieform in Frage kommt. Bei erfolgreichem Test können nun die dauerhaften Elektroden mit dem Neuromodulator („Blasenschrittmacher“) implantiert werden. Mit Hilfe einer Fernbedienung kann der Patient die Stimulation ein- und ausschalten und die Stärke der Stimulation einstellen. Nun kann der Patient mit der Fernbedienung die Blasenentleerung gezielt auslösen bzw. unterdrücken.